Welche Matratze fürs Babybett? Ein ehrlicher Vergleich
Schaumstoff, Kaltschaum, Kokos, Latex – die Auswahl an Babymatratzen ist riesig und die Verunsicherung noch größer. Muss es die Naturmatratze für 200 Euro sein, oder reicht die Kaltschaummatratze für 80? Hier bekommst du einen ehrlichen Überblick – ohne Verkaufsdruck und ohne Panikmache.
Was jede gute Babymatratze können muss
Bevor wir über Materialien sprechen: Es gibt ein paar Grundanforderungen, die jede Babymatratze erfüllen sollte – egal ob Schaumstoff oder Kokos:
Fest genug. Der Kopf deines Babys darf maximal zwei bis drei Zentimeter einsinken. Eine zu weiche Matratze ist ein Sicherheitsrisiko, weil sie in Bauchlage die Atemwege verlegen kann. Lieber etwas fester als zu weich.
Passgenau. Zwischen Matratze und Bettrand darf maximal ein Finger breit Platz sein. Lücken bedeuten Einklemmgefahr für Ärmchen und Beinchen.
Atmungsaktiv. Babys regulieren ihre Temperatur noch nicht so gut wie Erwachsene. Eine luftdurchlässige Matratze beugt Überwärmung und Feuchtigkeitsstau vor.
Schadstoffgeprüft. Achte auf Prüfsiegel wie OEKO-TEX Standard 100 oder den Blauen Engel. Diese bestätigen, dass keine bedenklichen Schadstoffe enthalten sind.
Waschbarer Bezug. Der Bezug sollte abnehmbar und bei mindestens 60 °C waschbar sein. Im Babybett wird gekleckert, gespuckt und genässt – das gehört dazu.
Trittkante. Sobald dein Kind anfängt, sich im Bett hochzuziehen, ist eine feste Trittkante am Matratzenrand wichtig. Sie gibt Halt und verhindert, dass der Fuß zwischen Matratze und Gitterstäbe rutscht.

Die Materialien im Vergleich
Schaumstoff (Polyurethan)
Einfacher Schaumstoff ist das günstigste Matratzenmaterial und in vielen Babybetten Standard. Die Matratzen sind leicht, was das Bettenmachen und den Matratzenwechsel angenehm macht.
Vorteile: Günstig, sehr leicht, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, allergikerfreundlich (bietet Milben wenig Angriffsfläche).
Nachteile: Kann unter Einfluss von Feuchtigkeit und Wärme mit der Zeit weicher werden. Nicht so langlebig wie Kaltschaum. Luftdurchlässigkeit variiert je nach Modell.
Gut zu wissen: Einfacher Schaumstoff ist nicht schlecht – aber es lohnt sich, den kleinen Aufpreis für Kaltschaum zu investieren.
Kaltschaum
Kaltschaum besteht ebenfalls aus Polyurethan, wird aber aufwendiger hergestellt. Das Ergebnis: bessere Punktelastizität, höhere Atmungsaktivität und längere Haltbarkeit. Kaltschaum ist das beliebteste Material für Babymatratzen – und das aus gutem Grund.
Vorteile: Punktelastisch (gibt gezielt dort nach, wo Druck entsteht), sehr atmungsaktiv durch Luftkanäle, langlebig, allergikerfreundlich, leicht. Viele Testsieger bei Stiftung Warentest und ÖKO-TEST sind Kaltschaummatratzen.
Nachteile: Etwas teurer als einfacher Schaumstoff. Kann beim Auspacken einen Eigengeruch haben, der aber nach ein paar Tagen Lüften verfliegt.
Unser ehrliches Fazit: Für die meisten Familien ist eine gute Kaltschaummatratze die beste Wahl. Sie erfüllt alle Anforderungen, ist pflegeleicht und bezahlbar.
Kokos
Kokosmatratzen bestehen aus den Fasern der Kokosnuss, die mit Naturlatex gebunden werden. Sie sind von Natur aus fest und stützend – genau das, was Babys brauchen. Kokos ist ein nachwachsender Rohstoff, was umweltbewusste Eltern anspricht.
Vorteile: Sehr fest und stützend, natürliches Material, gute Temperaturregulierung, nachhaltig.
Nachteile: Deutlich schwerer als Schaumstoff (das merkt man beim Beziehen und Lüften). Kann unter Feuchtigkeit härter werden. In Tests der Stiftung Warentest schnitten Kokosmatratzen bei der Luftdurchlässigkeit teilweise schlechter ab. Teurer als Schaumstoff.
Gut zu wissen: Kokosmatratzen sind eine gute Option für alle, denen Naturmaterialien wichtig sind. Sie sind nicht besser oder schlechter als Kaltschaum – nur anders.
Latex
Latex gibt es als Naturlatex (aus dem Kautschukbaum) und als synthetischen Latex. Latexmatratzen zeichnen sich durch eine sehr gleichmäßige Druckverteilung aus – sie geben sanft nach und kehren in ihre Form zurück.
Vorteile: Hervorragende Punktelastizität, gleichmäßige Druckverteilung, sehr langlebig, leise (kein Quietschen oder Rascheln).
Nachteile: Schwer, teurer als andere Materialien, kann bei mangelnder Belüftung Feuchtigkeit stauen. Reine Naturlatexmatratzen sind die teuerste Option.
Gut zu wissen: Für Babys ist Latex nicht zwingend nötig. Die Vorteile der Punktelastizität spielen erst bei höherem Körpergewicht eine größere Rolle. Ab dem Kleinkindalter kann Latex eine sinnvolle Option sein.
Kokos-Latex-Kombi
Viele Matratzen kombinieren eine Kokosschicht mit einer Latexschicht – oft als "Wendematratze" mit einer festeren Babyseite (Kokos) und einer etwas nachgiebigeren Kleinkindseite (Latex).
Vorteile: Zwei Liegeseiten für verschiedene Altersgruppen, Naturmaterialien, gute Stützkraft.
Nachteile: Schwer, teurer, laut Stiftung Warentest sind die Härteunterschiede zwischen beiden Seiten oft geringer als beworben. Die Luftdurchlässigkeit kann eingeschränkt sein.
Gut zu wissen: Das Zwei-Seiten-Konzept klingt clever, aber unabhängige Tests zeigen, dass der Unterschied zwischen Baby- und Kleinkindseite in der Praxis oft kaum spürbar ist.

Die Vergleichstabelle
| Kaltschaum | Schaumstoff | Kokos | Latex | Kokos-Latex | |
|---|---|---|---|---|---|
| Gewicht | Leicht | Sehr leicht | Schwer | Schwer | Schwer |
| Festigkeit | Mittel-fest | Mittel | Fest | Mittel | Fest (Kokos) / Mittel (Latex) |
| Atmungsaktivität | Sehr gut | Gut | Mittel | Mittel | Mittel |
| Haltbarkeit | Gut | Mittel | Gut | Sehr gut | Gut |
| Allergiker | Sehr gut | Sehr gut | Eingeschränkt | Gut | Eingeschränkt |
| Nachhaltigkeit | Mittel | Mittel | Hoch | Hoch (Natur) | Hoch |
| Preis | €€ | € | €€€ | €€€ | €€€ |
| Testsieger-Quote | Hoch | Mittel | Niedrig | Mittel | Niedrig |
Brauche ich eine Baby- und eine Kleinkindseite?
Viele Hersteller werben mit Wendematratzen, die eine härtere Babyseite und eine weichere Kleinkindseite haben. Die Stiftung Warentest hat diese Modelle geprüft und festgestellt: Die Unterschiede zwischen beiden Seiten sind meist so gering, dass sie kaum einen spürbaren Effekt haben.
Das bedeutet nicht, dass diese Matratzen schlecht sind – sie sind nur kein Muss. Eine gute einseitige Matratze mit mittlerer Festigkeit reicht für Babys und Kleinkinder gleichermaßen. Spart euch den Aufpreis lieber für eine hochwertigere Matratze ohne Wendekonstruktion.
Wie groß muss die Matratze sein?
Die Standardgrößen für Babybettmatratzen sind 60 × 120 cm und 70 × 140 cm. Welche ihr braucht, hängt von eurem Bett ab. Die meisten Gitterbetten und Kombi-Kinderbetten – auch die von Schardt – nutzen das Maß 70 × 140 cm. Dieses Maß begleitet euer Kind in der Regel bis zum sechsten Lebensjahr.
Bei der Höhe gilt: Mindestens 8 cm, besser 10 bis 12 cm. Dünnere Matratzen bieten weniger Komfort und können schneller durchliegen.
Pflege: So hält die Matratze länger
Regelmäßig lüften. Decke und Spannbettlaken morgens zur Seite schlagen und die Matratze eine Weile atmen lassen. Noch besser: Einmal pro Woche an die frische Luft stellen.
Bezug waschen. Alle vier bis sechs Wochen den Bezug bei 60 °C waschen. Bei Verschmutzung sofort.
Matratze drehen. Wenn eure Matratze keine ausgewiesene Baby-/Kleinkindseite hat, dreht sie alle paar Wochen – Kopf nach Fuß und umgekehrt. So nutzt sie gleichmäßiger ab.
Neue Matratze auslüften. Fast jede neue Matratze riecht beim Auspacken. Lasst sie mindestens eine Woche in einem gut belüfteten Raum auslüften, bevor euer Baby darauf schläft.
Wasserdichte Unterlage? Kann sinnvoll sein, um die Matratze vor Urin zu schützen. Achtet aber darauf, dass sie die Luftzirkulation nicht komplett blockiert – vor allem nicht im Kopfbereich.
Normen und Siegel: Was wirklich zählt
DIN EN 16890. Die europäische Sicherheitsnorm für Kindermatratzen, gültig seit 2017. Sie definiert unter anderem Anforderungen an die Festigkeit und den Kugeltest (simuliert das Einsinken eines Babykopfes). Achtet darauf, dass eure Matratze dieser Norm entspricht.
OEKO-TEX Standard 100. Bestätigt, dass die Matratze auf Schadstoffe geprüft wurde – inklusive Formaldehyd, Schwermetalle und bestimmte Farbstoffe.
Der Blaue Engel. Geht über OEKO-TEX hinaus und berücksichtigt auch Umweltaspekte bei der Herstellung.
ÖKO-TEST / Stiftung Warentest. Unabhängige Testinstitute, deren Ergebnisse eine gute Orientierung bieten. Ein "gut" oder "sehr gut" bei einem dieser Tests ist ein starkes Qualitätssignal.
Fazit: Macht es euch nicht zu kompliziert
Die ehrlichste Empfehlung, die wir geben können: Eine gute Kaltschaummatratze mit OEKO-TEX-Siegel, waschbarem Bezug und Trittkante reicht für die allermeisten Familien völlig aus. Sie ist sicher, atmungsaktiv, pflegeleicht und bezahlbar.
Wenn euch Naturmaterialien am Herzen liegen, ist Kokos eine schöne Alternative – aber kein Muss. Und Latex-Matratzen werden erst ab dem Kleinkindalter wirklich interessant.
Am Ende gilt: Die teuerste Matratze ist nicht automatisch die beste. Achtet auf die Grundanforderungen, verlasst euch auf unabhängige Tests – und macht euch keinen Stress. Euer Baby schläft auf einer guten Matratze mit OEKO-TEX-Siegel genauso glücklich ein wie auf dem Premium-Modell.
Welche Matratze habt ihr gewählt – und seid ihr zufrieden? Teilt eure Erfahrungen mit anderen Eltern in den Kommentaren.